Burn After Reading Review/Kritik/Rezension
In der Regel fängt man ja mit einer kurzen Angabe des Inhalts an, warum also nicht.
Osbourne Cox (John Malkovich) ist ein Analyst bei der CIA oder besser, er war es. Als man ihn seines aktuellen Einsatzes und seiner Position entbinden will - ihm wird ein Alkoholproblem vorgeworfen - kündigt er und versucht sich als Autor. Als sein Erstlingswerk plant er, seine Memoiren zu schreiben und zu veröffentlichen. Das nimmt seine Frau Katie Cox (Tilda Swinton) als Anlass sich von Osbourne scheiden zu lassen und eine Beziehung mit ihrem Lover, dem Finanzbeamten Harry Pfarrer (George Clooney), zu beginnen. Um sich ein Bild von den Finanzen ihres Mannes zu machen, kopiert sie all’ seine CIA Daten auf eine CD. Diese CD findet ihren Weg in das “Hardbodies Fitnessstudio” wo Chad (Brad Pitt) und Linda Litzke (Frances McDormand) arbeiten. Nachdem die beiden herausgefunden haben, dass sich sensibele Daten auf der Disk befinden, beschließen sie Osbourne Cox zu erpressen und die Geschichte nimmt seinen Lauf.
Soweit zur Story, jetzt was zum Hintergrund. Der Film wurde von Ethan und Joel Coen geschrieben und gedreht. Wer sich ein bisschen in der Welt Hollywoods auskennt, dem dürften die beiden nicht neu sein. Ihr letztes Werk “No Country for Old Men” hat sogar vier Oscars abgeräumt und “The Big Lebowski” ist meiner Meinung nach einer der besten Filme allerzeiten und müsste ohne Frage ständig auf Kabel 1 laufen. Die Coen Brüder haben einen ganz eigenen und einzigartigen Stil, Geschichten zu erzählen. Der wichtigste Punkt dabei ist, dass sie auch wirklich eine Geschichte zu erzählen haben und keine 90-minütigen Special-Effects Orgien veranstalten. Ein weiterer Punkt sind ihre sehr speziellen und mit Liebe zum Detail geschaffenen Charaktere. Die Dialoge heben sich auch deutlich von dem Standardgeschwätz der Hollywoodbreitbandstreifen ab. Einzig und alleine Tarantino verfasst (teilweise) bessere Dialoge. Der letzte Punkt ihres Genies ist der gezielte und dosierte Einsatz von Gewalt, welcher nie übertrieben wirkt, aber dennoch oder gerade deswegen den ein oder anderen Schockmoment erzeugt. Wenn man nun alle diese Punkte in Betracht zieht ist “Burn After Reading” ein waschechter Coen-Film. Man findet viele bekannte Elemente, aber auch Sachen, die man so von den beiden noch nicht gesehen hat. Denn eigentlich ist dieser Film auch nur entstanden, weil die beiden mit ihren Lieblingsschauspielern an einem Projekt arbeiten wollten.
Die Geschichte dreht sich um sechs grundverschiedene Charaktere die alle im Laufe der Handlung miteinander zu tun haben. Das macht es sehr schwierig einen Hauptcharakter festzulegen und man muss sich auf alle Beteiligten gleichermaßen konzentrieren und ihre Aktionen verfolgen. Das ist manchmal schwierig, aber nie langweilig. Denn alle haben ihre eigenen Makel und Macken und es ist zu jeder Zeit amüsant ihren Handlungen zu folgen. Allerdings sollte man auch genau dies’ tun. Denn mitunter ist die Geschichte, gerade zu Beginn, doch recht verwirrend bzw. hat man das Gefühl, dass sie nicht vorhanden ist. Das gibt sich jedoch im Verlauf des Films. Je weiter man im Plot voranschreitet, desto mehr verflechten sich die einzelnen Handlungsstränge der Akteure und desto mehr “Aha”-Effekte und kleine Überraschungen erlebt man. Denn der Film wirft eine ganze Menge fragen auf, die nicht alle, wahrscheinlich beabsichtigterweise, beantwortet werden.
Wenn man mich fragt (was man nicht tut, aber ich sage es dennoch. HAHA!), ist dieser Film die beste Komödie der Coen Brüder bis jetzt. Denn es macht einfach irrsinnig Spaß einem strunzdoofen Brad Pitt beim “erpressen” oder einem überallemaßen paranoiden George Clooney beim rumblödeln zuzuschauen. Die Tatsachen, dass jeder Charakter seinen eigenen Charme hat und die Rollen dazu auch noch begnadet von ihren Besetzern gespielt wurden,als auch die unerwarteten Aktionen und Reaktionen der Beteiligten, machen den Film zu einem echten Erlebnis. Abgerundet wird das Ganze durch einen herrlich direkten und einigermaßen verwirrten CIA Chef, dessen Rolle mit J.K. Simmons (u.a. bekannt als Redaktionsleiter J. Jonah Jameson in “Spiderman”) ausgezeichnet besetzt ist.
Das einzige (Vielleicht-) Problem ist der Humor. Denn der findet auf sehr vielen Ebenen statt. Manchmal ist er sehr subtil und nur durch guten Durchblick oder Vorkenntnis zu durchschauen, aber manchmal trifft er einen auch wie ein Hammer mitten ins Gesicht. Freunde des Sarkasmus, der Schadenfreude und des schwarzen Humors werden sich in diesem Film köstlich amüsieren. Wer allerdings erwartet gewohnte Comedykost à la Adam Sandler oder Ben Stiller zu bekommen der wird eventuell etwas überrascht bzw. enttäuscht sein. Denn Slapstick ist so gut wie nicht vorhanden. Ich find’ das gut, denn hier wird der Humor einzig und allein durch die Dialoge und die, durch die Umstände entstehenden, merkwürdigen Aktionen der Charaktere erzeugt, was nicht allzu viele Filmen zu bieten haben. Vor “Burn After Reading” hab ich “Tropic Thunder” gesehen und obwohl beides Komödien sind, lassen sie sich in keinster Weise miteinander vergleichen.
Als Fazit kann man abschließend sagen, dass Ethan und Joel Coen mit diesem Film einmal mehr bewiesen haben, was sie auf dem Kasten bzw. der Kamera haben und dass sie so schnell keiner von ihrem Thron für Meister der Tragikomödien schubsen kann. Wem “The Big Lebowski” gefallen hat, der wird diesen Film lieben. Alle anderen sollten dennoch einen Blick draufwerfen, denn er ist definitiv sein Geld wert. Ein klarer Filmtipp meinerseits.
Wer trotzdem noch einen Anstoß braucht, schaut sich den Trailer an.